Kolumbianer sehen schwarz für Kaffee-Ernte

Niedrige Lagerbestände bei Arabica-Bohnen und eine gesenkte Ernteprognose für 2011 beleben die Kaffee-Futures. Darunter könnten die Konsumpreise leiden.

Der Regengott meint es gut mit den kolumbianischen Kaffeebauern -fast ein wenig zu gut. Denn starke Regenfälle in der zweitgrößten Anbau-Nation der Welt für Arabica-Bohnen könnten die geringste Ernte seit zwei Jahren nach sich ziehen. Dies sorgt an den Terminbörsen wieder für Auftrieb.

Feuchtes Wetter
Mario Gomez von der kolumbianischen Kaffeebauern-Vereinigung rechnet damit, dass die Ernte in diesem Jahr auf weniger als 8,5 Millionen Säcke (510.000 Tonnen) sinken wird. Dabei hat der Verband erst im August die Prognose von 9,5 auf 9,0 Millionen Säcken nach unten revidiert. Im ohnehin schwachen Vorjahr ist die Ernte noch bei 8,9 Millionen Säcken gelegen. Im September sank die Produktion um 13 Prozent auf 459.000 Säcke, dem geringsten Monatswert seit zwei Jahren. "Kaffee benötigt, wie kein anderes Produkt, Licht und Perioden mit trockenem Wetter", sagt Gomez, aber das Klima könne man nun einmal nicht beeinflussen.

Auch weniger Konsum
Das Wetterereignis El Nino könnte von Dezember bis März neuerlich überdurchschnittliche Regenfälle bringen und die Blüten beeinträchtigen. Dies könnte auch den Output in Brasilien dämpfen, der weltgrößten Anbau-Nation für Arabica-Bohnen. Da kommt es nicht ungelegen, dass nun die brasilianische Vereinigung der Kaffee-Industrie (ABIC) ihre Wachstumsprognose für den Inlandsverbrauch von 4,0 auf 3,5 Prozent gesenkt hat. "In den letzten drei Monaten ist der Verbrauch gesunken, weil die Menschen mehr aufs Geld geschaut haben", sagt ABIC-Geschäftsführer Nathan Herszkowicz, wobei die Kaufzurückhaltungen auch andere Produkte betraf. Das Land ist nach den USA der zweitgrößte Kaffee-Konsument. 2010 hatten die Brasilianer noch den Rekordwert von 19,1 Millionen Säcken konsumiert.

Alternative Robusta
Auf Jahressicht liegt der Preis für Arabica-Bohnen an der Börse 30 Prozent im Plus, wobei diese alleine am Freitag um 5,7 Prozent gestiegen sind, als bekannt wurde, dass die Lagerbestände an der New Yorker Börse ICE auf den tiefsten Stand seit elf Jahren gefallen sind. Rabobank-Analyst Keith Flury geht davon aus, dass die Kaffeeröster als Alternative vermehrt zu Robusta-Bohnen greifen, die rund 65 Prozent billiger sind. Nach einem Preisrutsch notieren die Futures in etwa auf dem Niveau von vor einem Jahr. Für die Endkonsumenten bedeutet das nichts Gutes. Laut Julius Meinl-Sprecherin Nadine Gilles wurden die Preise seit Herbst 2010 bereits dreimal angepasst, weil sich die Rohkaffee-Preise verdoppelt haben. Wenn die Einkaufskosten über einen längeren Zeitraum hoch bleiben, müsse man die Preise einfach weitergeben.

Quelle: www.wirtschaftsblatt.at, http://www.wirtschaftsblatt.at/archiv/kolumbianer-sehen-schwarz-fuer-kaf...