Sonderkonditionen für Tchibo in der Speicherstadt

Die Holding der Kaffee-Milliardäre Herz, die Aktiengesellschaft Maxingvest, zieht in die Speicherstadt und erhält einen Vertrag bis 2089.

Hamburg. Es klingt wie ein alltägliches Geschäft: Denn eigentlich ist es nur ein Umzug einer Firmenzentrale in ein städtisches Gebäude. Doch die Umsiedlung der Maxingvest AG in ein ehemaliges Zollgebäude am Alten Wandrahm in der Speicherstadt sorgt hinter den Kulissen für Ärger. Denn die städtische Kommission für Bodenordnung (KfB), die mit Vertretern der Stadt und der Politik besetzt ist, hat dem Deal ungewöhnlich schnell zugestimmt - trotz zunächst erheblicher Bedenken einiger Mitglieder. Und offenbar nicht ohne Druck von Senatsseite. Ungewöhnlich ist auch die Laufzeit des Vertrages: Dem Unternehmen wird ein Nutzungsrecht bis 2089 eingeräumt. Das ist in der Speicherstadt ein einmaliger Sonderfall, wie Daniel Stricker, Sprecher der zuständigen Finanzbehörde, bestätigte.

Maxingvest ist nicht irgendeine Firma. Die Aktiengesellschaft gehört der Familie Herz und hält 100 Prozent an Tchibo und mehr als 50 Prozent der Stimmrechte an Beiersdorf. Ein Schwergewicht in der Hamburger Wirtschaft. Maxingvest-Chef Michael Herz wollte das alte Zollgebäude schon einmal kaufen, als es der Bund abstoßen wollte. Doch die Stadt Hamburg machte von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch. Nun wird er also Mieter der rund 1400 Quadratmeter großen Immobilie.

Wie die Gesprächsprotokolle der Sitzungen der Bodenkommission zeigen, die dem Abendblatt vorliegen, gab es hier erhebliche Bedenken. Doch die Stadt hatte es offensichtlich eilig: "Da wurde Druck von ganz oben ausgeübt, dass hier schnellstens eine positive Entscheidung herbeigeführt werden muss", sagte ein Kommissionsmitglied dem Abendblatt.

Als das Thema "Bestellung eines Dauernutzungsrechts" im März zum ersten Mal auf der Tagesordnung stand, war der SPD-Stadtentwicklungsexperte und heutige Bezirksamtsleiter Mitte, Andy Grote, noch skeptisch, wie aus dem Protokoll hervorgeht. Er wollte wissen, ob es ähnliche Konstellationen an anderen Stellen in der Speicherstadt gäbe. Die Antwort lautete Nein.

In der Sitzung stellte dann der CDU-Politiker Sven Hielscher die Frage, welches Kernmotiv dafür bestehe, der Maxingvest dieses Gebäude zu überlassen. Die Antwort eines Vertreters der Finanzbehörde ist zumindest interessant: Der Investor sei schlicht von dem Gebäude fasziniert und habe es eventuell nicht verwunden, nur zweiter Sieger im Bieterverfahren gewesen zu sein. Für die SPD sah in der Sitzung eine Woche später, eigentlich sollte das Thema um drei Wochen ausgesetzt werden, dann alles anders aus: Die SPD-Vertreterin Gesine Dräger betonte, dass es von großer Wichtigkeit sei, dass der Unternehmenssitz von Maxingvest tatsächlich an den neuen Standort verlagert werde und langfristig dort bestehen bleibe.

Ein Vertreter der Grünen setzte sich für eine Vertagung der Entscheidung ein. Das rief den Vorsitzenden der Kommission, Michael Lindau von der Finanzbehörde, auf den Plan. Er wollte von der Verwaltung wissen, welche Nachteile aufgrund der Vertagung entstehen könnten. Eine Verschiebung des Vertragsabschlusses sei zwar möglich, erklärt der Vertreter der Finanzbehörde. Und dann sagt er einen Satz, der einige Kommissionsmitglieder irritiert hat: Wichtig sei sowohl eine positive Atmosphäre mit der Familie Herz als auch das politische Signal, dass die Stadt das Engagement der Familie an dieser Stelle mitgehe. Daraufhin sprach sich Gesine Dräger für die "heutige Beschlussfassung" aus. Der Vorsitzende lässt dann über die Vertagung abstimmen. Das Ergebnis ist knapp. Fünf Mitglieder sprachen sich für eine Vertagung aus, sechs dagegen. Die KfB-Mitglieder mussten also entscheiden - und stimmten dem Deal schließlich zu: bei sechs Zustimmungen, einer Gegenstimme und vier Enthaltungen. Die Vereinbarung sieht vor, das die Maxingvest einmalig 1,5 Millionen Euro an die Stadt zahlt und ein monatliches Nutzungsentgelt von 12 687,50 Euro. Nach Abendblatt-Informationen wird Maxingvest außerdem mindestens zehn Millionen Euro investieren, um das Haus aufwendig zu sanieren.

Ein Vertrag zwischen der Holding und der Stadt wurde allerdings noch nicht unterzeichnet. Der Sprecher von Maxingvest, Arnd Liedtke, bestätigt nur Verhandlungen mit der Stadt und erklärt, warum dieser Standort für das Unternehmen so attraktiv ist: "In der Speicherstadt liegt die Keimzelle von Tchibo und damit des Maxingvest-Konzerns. Hier hatte Max Herz, unser Gründer, sein erstes Kontor." Die Gebäude am Alten Wandrahm seien Sinnbild für hanseatische Kaufmannschaft. Diese Tradition zu bewahren sei ein Anliegen der Maxingvest. Die Stadt begrüßt das geplante Grundstücksgeschäft. "Aufgrund des hohen Interesses der Stadt an einer Sanierung und langfristigen Nutzung des Gebäudes und der Bereitschaft des Investors, die Sanierungskosten zu übernehmen, hat der sich Senat erst- und einmalig für eine langfristige Bindung entschieden", sagt Behördensprecher Daniel Stricker. Damit solle außerdem die Bindung eines großen Unternehmens im Sinne einer Wirtschaftsförderung an den Standort Hamburg gestärkt werden, so Stricker.

Vielleicht ist es ja auch ein spätes Dankeschön: Schließlich war es 2003 auch die Familie Herz, die durch ihre Investition in Beiersdorf-Aktien einen Verkauf und damit eine Zerschlagung des Nivea-Herstellers verhinderte.

Quelle: www.abendblatt.de, http://www.abendblatt.de/hamburg/article2352815/Sonderkonditionen-fuer-T...