Wie Bialetti den Italienern den Espresso nach Hause brachte

Alfonso Bialetti hat die Kaffeemaschine für den wirklich schmackhaften Espresso zu Hause erfunden. Die Idee kam ihm, als er seiner Frau beim Wäschewaschen zusah. von Daniela Schröder

Espresso, das ist was für Profis. Für Maschinen, die zischend und fauchend Wasser und Pulver verbinden zu Kaffegenuss. Da können Haushaltskannen mit ihrem Aufbrühprinzip nicht mithalten. Die Folge: Der Italiener trinkt seinen Espresso am Bartresen.

So hält es auch Alfonso Bialetti Besitzer einer kleinen Metall- und Maschinenwerkstatt im norditalienischen Crusinallo in den 1930ern. Gelegentlich jedoch trinkt er seinen Caffé zu Hause. Auf dem Herd gekocht in einer Metallkanne mit Filterprinzip. Das dauert ewig, und der Kaffee, na ja. Dafür kann Bialetti in Ruhe Zeitung lesen und Gattin Ada beim Wäschewaschen zugucken. Beim Wäschekochen vielmehr, denn die Hausfrauen nutzen ein System, bei dem die Seifenlaugen in speziellen Wannen zum Kochen bringen, das kochend heiße Wasser steigt durch ein integriertes Rohr und verteilt sich auf der Wäsche.

Eine Idee wird geboren. Bialetti hat schon x-mal zugeschaut. Eines Tages aber macht es klick. Heureka! Genau dieses simple Wasserdruckprinzip lässt sich auf das Zubereiten von Kaffee übertragen.
Jahrelang tüftelt Bialetti an seiner Idee. Anders als die Hersteller der Profimaschinen setzt er auf ein Material, das bei Küchengeräten bisher unbekannt ist: Aluminium. Leicht und formbar, dabei robust und rostfrei - im Italien der 1930er gilt es als Metall der Moderne, das gleichzeitig die traditionellen Werte des Handwerks verkörpert. 1933 bringt Bialetti den ersten Espressokocher für den Hausgebrauch auf den Markt. Das Prinzip ist so simpel wie beim Wäschewaschen: Der Kocher wird auf den Herd gestellt, in seinem unteren Teil erhitzt sich das Wasser. Wenn es kocht, wird der Wasserdampf durch einen Siebeinsatz mit Kaffeepulver gedrückt. Die Flüssigkeit sammelt sich in der oberen Kanne, ein weiteres Sieb hält das Kaffeepulver in der Mitte zurück. Beim Achteckdesign seiner Moka Express orientiert sich Bialetti an Kaffeekannen aus Silber im Art-déco-Stil.

Fokussierung, Spezialisierung, Werbung. Simple Technik, gutes Ergebnis, günstiger Preis, schön anzusehen - klingt perfekt. Dennoch: Der Durchbruch bleibt aus. Bialetti ist Handwerker, kein Werber. Seine Erfindung bietet er nur auf Märkten in der Region an, dann kommt der Krieg, sämtliches Aluminium wird vom Militär beansprucht, Bialetti muss die Produktion einstellen.
1946 kehrt Bialettis Sohn Renato aus deutscher Kriegsgefangenschaft zurück in die Heimat und übernimmt die Firma. Er konzentriert sich auf die Moka Express, schmeißt alle anderen Produkte aus dem Programm, baut das Sortiment auf Größen von zwei bis zehn Tassen aus und fährt die Produktion auf 1000 Stück pro Tag hoch. Vor allem aber zieht er im Wirtschaftsboom der 50er Jahre eine massive Werbekampagne auf. Schaltet Anzeigen, lässt Radiospots laufen, investiert als einer der ersten italienischen Unternehmer in Fernsehwerbung. Während der wichtigsten Industriemesse des Landes in Mailand pflastert Bialetti Jahr für Jahr sämtliche Werbetafeln in der Stadt mit Bildern des Kaffeekochers, 1956 lässt Renato eine Riesenversion der Moka auf dem Messegelände installieren.

Millionenfach Moka Express. Heute benutzen sie neun von zehn italienischen Haushalten. Die Moka Express ist weltweit bisher mehr als 280 Millionen Mal verkauft worden, die Form unverändert, ein Klassiker. Ebenso die Werbefigur, der Mann mit dem Schnauzer, eine Hommage an Firmengründer Alfonso. "In casa un espresso come al bar" verspricht der, einen guten Espresso bekommt der Mann auch zu Hause.

Quelle: www.ftd.de, http://www.ftd.de/karriere-management/management/:espressomaschine-moka-...